Die Craniomandibuläre Dysfunktion – CMD

Der Begriff Craniomadibuläre Dysfunktion setzt sich aus Cranium (Schädel), Mandibula ( Unterkiefer ) und Dysfunktion ( Fehlfunktion ) zusammen

Es geht hier um eine Fehlfunktion im Zusammenspiel von Ober- und Unterkiefer, bedingt durch Störungen in der Funktion der Zähne, der Kiefergelenke und der Kiefermuskulatur.

Anfang der 90ziger Jahre entstand in den USA eine medizinische Fachrichtung, die Cranio – Mandibuläre - Orthopädie, die sich mit der Erforschung der Äthiologie der Diagnose und Therapie von chronischen Schmerzen und Dysfunktionen, welche aus Körperfehlhaltung, Fehlbissstellungen und chronisch muskulärer Hyperaktivität hervorgehen.

Eine große Anzahl von Untersuchungen beweisen heute die Wechselbeziehungen zwischen Kieferfehlstellungen bzw. Okklusionsproblemen und Gesamtkörperhaltung:

  • 70% der Unterkiefer-Rücklagen sind verbunden mit einer anterioren Kopfhaltung
  • Kreuzbiss und einseitiger Schulterhochstand sind häufig zu finden bei atlanto-occipitaler Dysfunktion
  • seitlich offener Biss geht häufig mit einem Beckenschiefstand einher

Bei chronisch überforderter Muskulatur bilden sich mit der Zeit Triggerpunkte aus. Eine verringerte Mikrozirkulation und Störung im Lymphfluss im Muskelgewebe führen zu Nährstoffmangel und einem Überschuss an sauren Endmetaboliten. Dies wiederum führt zu einer Reizung der sensitivierten freien Nervenendigungen, d.h. zu einer lokal oft erheblichen Druckdolenz.

Chronisch verhärtete, kontraktierte Muskelareale jedoch können durch Einengungen von Nervendurchtritten zu neuralen Symptomen führen, wie Anästhesie, Parästhesie oder Hyperästhesie in diesem Fall im Gesichtsbereich.

Störungen in der Arthrokinematik der Kiefergelenke sind in mehreren Studien überwiegend (75%) auf muskuläre Dysbalancen im stomatognathen System zurückzuführen, also ein Missverhältnis zwischen den aktiven und passiven Strukturen der Kiefergelenke. Hier vor allem zu nennen ist eine muskuläre Hyperaktivität des M.pterygoideus lat., der die Bewegung des disko-mandibulären Komplexes wesentlich steuert. Neben dem Palpations- und Funktionsbefundes der Kaumuskulatur zeigt sich in der Praxis der CMD – Behandlung die Befunderhebung des Routineprotokolls aus der manuellen Funktionsanalyse von Prof. Dr. Axel Baumann zur Bestimmung evtl. Belastungsvektoren aus dem Bereich der Kiefergelenke, von Restriktionsvektoren zum Auffinden der Hindernisse und/oder Einflussvektoren aus der Okklusion als ausgesprochen wertvoll. Auf diese einfache Art lässt es sich neben MRT- und Funktionsaufnahmen gut klären, ob das oder die Kiefergelenke arthrogen und/oder die periartikulären Weichteile an einer CMD beteiligt sind.

Definition der CMD:

Pathogenetisch multifaktorielles Krankheitsbild mit den Leitsymptomen „ Schmerzen in den Kiefergelenken und der Kaumuskulatur“ und/oder „Störungen der Unterkieferbeweglichkeit“ und/oder „ Kiefergelenkgeräusche“.

Craniomandibuläre Dysfunktionen können mit einer schmerbezogenen Beeinträchtigung täglicher Aktivitäten, psychischer Belastung und weiteren unspezifischen somatischen Störungen verbunden sein.

Noch verwendete, aber veraltete Bezeichnungen:
Myopathie, Myoarthropathie, Costen-Syndrom, Orofasziales Schmerzdysfunktionssyndrom, Pain.dysfunction-syndrome.

Symptomatik der CMD:

  • Häufigste Form des Gesichtsschmerzes, wobei die variable Kombination der einzelnen Symptome ein vielgestaltiges und veränderliches klinisches Bild hervorruft.
  • Schmerzlokalisation: überwiegend einseitig, Kiefergelenke, Ohren (Otalgie), Kaumuskulatur, Ausstrahlung in Ober- und Unterkiefer, Augenhöhle, Zähne, Stirn, Schläfe, Halsregion, Schulter
  • Schmerzcharakter: wechselnde Intensität ( alle Bereiche der visuellen Analogskala möglich), uncharakteristisch, „Chamäleon“ des Gesichtsschmerzes, typischer Druckschmerz über den Kaumuskelgruppen und Keifergelenken
  • Störungen der Unterkieferbewegung und Kaufunktion wie Seitabweichungen des Unterkiefers bei der Mundöffnung bzw. S-förmige Bewegung bei er Mundöffnung, Kieferklemme, Kiefersperre
  • Gelenkgeräusche, Gelenkknacken
  • Unbewusste Fehlfunktionen ( Parafunktionen ) wie Knirschen ( Bruxismus ), Zungenpressen, Wangenkauen ( Morsicatio ) etc.
  • Bei Chronifizierung erhöhte Tendenz zu psychischen Störungen, Angst und Somatisierung

Therapieziele bei der Behandlung er CMD:

  • Verringerung und/oder Beseitigung der bestehenden Gesichtsschmerzen
  • Beseitigung er bestehenden Funktionsstörungen der Kiefergelenke und der Kaumuskulatur

Symptomliste CMD:

  • Pressen oder Knirschen der Zähne
  • Keilförmige Defekte, Zahnschmerzen oder empfindliche Zahnhälse
  • zurückgehendes Zahnfleisch
  • Unklare Bisslage der Zähne
  • Kauschwierigkeiten
  • Zahnlockerung
  • Zahnwanderung
  • Zahnabrasionen
  • Zahn stört beim Schließen
  • Schmerzen in den Kiefergelenken
  • Knacken oder reibe Geräusche der Kiefergelenke
  • Mund geht nicht richtig auf
  • Kieferschmerzen
  • Verspannungen morgens beim Aufwachen
  • Brennen oder taubes Gefühl in der Zunge
  • Kopfschmerzen
  • Nackensteifigkeit
  • Nackenschmerzen
  • Gesichtsschmerzen
  • Druck auf dem Kopf
  • Ohrgeräusche ( Tinnitus )
  • Hörminderung
  • Ohrenschmerzen
  • Schwindel
  • Augenflimmern
  • Schmerzen hinter den Augen
  • Doppeltsehen
  • Lichtempfindlichkeit
  • Sehstörungen
  • Schluckbeschwerden
  • Kloß im Hals
  • Schulterschmerzen
  • Taubheitsgefühl in den Armen oder Fingern
  • Gelenkschmerzen
  • Rückenschmerzen
  • Schlaflosigkeit

Therapie:

  • Manuelle Therapie
  • Osteopathie
  • Triggerpunktbehandlung
  • Zahnärztliche Behandlungen